Entzündungsszintigraphie

Szintigraphie bei Entzündliche Veränderungen / Infektionen

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Prinzip

Darstellung der Aktivitätsverteilung als Maß für einen entzündlichen Prozess in Weichteilen, Knochen und Gelenken nach i. v. Applikation entsprechender Radiopharmaka mittels einer Gammakamera. Die Kinetik und der Anreicherungsmechanismus bedingen die z. T. sehr unterschiedlichen Aufnahmeprotokolle. Im Allgemeinen werden eine frühere und eine spätere Szintigraphie durchgeführt und nach pathologischen Herden mit einer zunehmenden Aktivitätsakkumulation gesucht.

Indikation

Allgemein kann jeder unklare Prozess, dem eine entzündliche (unspezifische) Entzündungsreaktion auf eine Vielzahl von Noxen) oder infektiöse (klassischerweise Auseinandersetzung mit Bakterien, Viren, Pilzen) Ursache zugrunde liegt, als Indikation angesehen werden. Die Vielfältigkeit möglicher Ursachen spiegelt sich in der zunächst unübersichtlich erscheinenden Vielzahl der Radiopharmaka mit ihren unterschiedlichen Aufnahmezeitpunkten wieder (Tabelle 1). Daher sollen im Folgenden lediglich einige grundsätzliche Anmerkungen gegeben werden.

Wird nach einer (akuten) granulozytären Komponente eines Krankheitsprozesses gefahndet, sind Tc-99m markierte Antikörper (oder –Fragmente), die gegen Differenzierungsantigene der Granulopoese gerichtet sind und das Knochenmark, die Granulozyten im Blut und im Entzündungsherd abbilden, einzusetzen (kommerziell erhältlich). Die Alternative besteht in der Markierung von patienteneigenen Leukozyten (aus 50 ml Blut) nach entsprechenden Zentrifugations- und Waschschritten (aufwendig) mit In-111-Oxin oder Tc-99m-Hexamethyl-Propylenamin-Oxim (HMPAO). Dies ist z.B. bei der Suche nach bzw. Charakterisierung von entzündlichen Darmerkrankungen/Niereninfektionen erforderlich, da die oben genannten Antikörper physiologischerweise einer Anreicherung in Darm und Nieren unterliegen können.

Ist eine rasche Aussage z.B. zu einer Arthritis/Osteomyelitis erforderlich, kann man die vor Ort gesteigerte Kapillarpermeabilität/Makrophagenaktivität nutzen und frühe Aufnahmen nach Gabe von Tc-99m als Pertechnetat, Tc-99m-MDP, polyklonalem humanen Immunglobulin (HIG) oder Tc-99m markiertem Nanokolloid einsetzen. Aufgrund ihrer physiologischen Aktivitätsverteilung im Körper/Ausscheidungsmechanismen sind diese Substanzen aber z.B. für abdominelle Prozesse nicht oder nur eingeschränkt einsetzbar.

Wird nach einem chronischen Prozess, ggf. mit lymphozytärer/granulomatöser und/oder maligner Komponente (auch Lymphome oder z.B. Sarkoidose) gefahndet, können das Eisenanalogon (und an Transferrinrezeptoren bindende) Gallium-67-Zitrat oder (Glukosestoffwechsel) Fluor-18-Fluordesoxyglukose (F-18-FDG; F-18: Positronenstrahler, erfordert besonderes Aufnahmesystem, Positronenemissionstomographie (PET) genutzt werden.

Zusammenfassend sollte bei der Indikationsstellung zur Entzündungsszintigraphie seitens des Klinikers eine klinische Fragestellung formuliert und das geeignete Radiopharmakon dann vom Nuklearmediziner in Absprache mit dem Kliniker ausgewählt werden.

Methode

Bei den zahlenmäßig häufigsten Fragestellungen Fieber unklarer Genese und Osteomyelitis beschränkt man sich im Regelfall auf eine Ganzkörperdarstellung zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten nach der i. v. Applikation des Radiopharmakons. Dabei können entweder statische Einzelaufnahmen (Dauer 3 bis 5 min) verschiedener Körperregionen angefertigt werden oder (heute üblich) es fährt je ein Kamerakopf von ventral und dorsal den Patienten von Kopf bis Fuß langsam ab (Ganzkörperszintigraphie, Dauer ca. 20 min). Soll eine bestimmte Körperregion des Patienten überlagerungsfrei abgebildet werden, können durch den Umlauf der Kameraköpfe um die Körperregion (Rotation, Dauer ca. 30 min) und Datenakquisition aus den verschiedenen Kamerapositionen (ähnlich wie bei der Röntgentransmissionscomputertomographie) durch entsprechende Rekonstruktionsalgorithmen Schnittbilder in beliebigen Ebenen erzeugt werden. Da die Kameraköpfe einzelne aus dem Patienten emittierte Photonen registrieren, heißt dieses Aufnahmeverfahren SPECT (Single-Photon-Emission-Computed-Tomography). Üblicherweise wird die (Ganzkörper-) Entzündungsszintigraphie bei der Suche nach abdominellen und intrathorakalen Herden durch eine SPECT von Abdomen bzw. Thorax ergänzt.

Ist die entzündliche Region bekannt, kann man diese (z.B. Hände) mit einer Gamma-Kamera in mehreren Phasen – ähnlich wie bei der Skelettszintigraphie - aufnehmen (Applikation des Radiopharmakons, z.B. Tc-99m-HIG, unter der Kamera und sofortiger Aufnahmebeginn nach Applikation, Mehr-Phasen-Szintigraphie). Da nur einmal Aktivität appliziert wird, kann auch in nur einer Körperregion, deren Größe durch das Gesichtsfeld der Gammakamera limitiert ist (Großfeld-Kamera ca. 60 x 40 cm), der arterielle Einstrom (Perfusion) mit einer dynamischen Szintigraphie (zum Beispiel 12 Bilder á 5 sec) erfasst werden.

Ist eine semiquantitative Auswertung der Szintigramme (z. B. Rechts-Links-Quotienten) zur Charakterisierung z.B. der Floridität einer granulozytären Anreicherung rund um eine Hüft-TEP gewünscht, können am Bildschirm die Impulszahlen einer frei wählbaren (einzuzeichnenden Hüft-) Region ermittelt werden. Dieses Vorgehen wird häufig als ROI-Technik bezeichnet (Region of Interest Technique) und ist für intraindividuelle Verlaufsbeurteilungen hilfreich.

Kontraindikation

Gravidität (aber: im Einzelfall ggf. sehr wohl indiziert, z.B. bei Sepsis)

Risiken/Strahlenexposition

Aufgrund der minimalen Substanzmengen keine parmakologischen Wirkungen/Allergien.

Die Strahlenexposition (effektive Dosis) variiert je nach Radiopharmakon (z.B. 400 MBq Tc-99m-Antigranulozytenantikörper: 4,4 mSv).

Zum Vergleich: jährliche natürliche Strahlenexposition in Deutschland 1 - 5 mSv.