Radiosynoviorthese RSO

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Prinzip

Schädigung der Synovialzellen (und ortsständiger Leukozyten) durch Beta-Strahlung kurzer Reichweite, dadurch Nekrose und Phagozytose. Ergebnis: Gelenkbinnenraum/Knorpel ohne entzündliche Veränderungen.

Indikation

Arthritis, insbesondere bei führender Schmerzsymptomatik einzelner Gelenke (z.B. bei rheumatoider Arthritis unter laufender Basistherapie). Nicht: Arthrose, wenn Schmerz durch Fehlstellung oder Weichteilveränderung bedingt ist. Indikationsstellung durch einen "Fachkundigen" (in der Regel Rheumatologe oder Orthopäde). Zur Differentialdiagnose ggf. nützlich: Weichteilszintigraphie (z.B. als Zwei-Phasen-Skelettszintigraphie).Vor Synoviorthese Ausschluss eines Knochentumors durch Röntgen.

Methode

Unter sterilen Bedingungen (ggf. Abpunktion eines Gelenkergusses) intraartikuläre Injektion des Radiopharmakons (Nuklid als Kolloid in NaCl-Lösung, Nuklidauswahl nach Synoviadicke, s. Tabelle 1 u. 2). Hilfreich: Sonographie oder Röntgendurchleuchtung zur sicheren Kanülenpositionierung.

Additiv Zugabe eines Kortikoids (z.B. 5 – 20 mg Triamcinolon).

Darstellung der korrekten Aktivitätsverteilung im Gelenk durch ein Szintigramm (nutzt Bremsstrahlung bei Y-90 oder Gamma-Anteil bei Re-186).

Ruhigstellung des Gelenks für 48 Stunden (Bandage, Gipsschiene), um einen vorzeitigen Abstrom des Radiopharmakons aus dem Gelenk zu verhindern. Stufenweise Belastung innerhalb von 14 Tagen.

Kontraindikation

Gravidität

Risiken

Gelenkinfektion, Weichteil-/ Stichkanalnekrose bei Fehlapplikation. Strahlenexposition variiert nach Leckage (z.B. Y-90, Kniegelenk: Gonadenbelastung 0,2 – 6 mSv [Vergleich: jährliche natürliche Strahlenexposition in Deutschland 1 - 5 mSv], andere Nuklide/Gelenke: < 0,1 mSv).

Ergebnisse

Nach etwa 1 Woche einsetzender Effekt (überbrückt durch Kortikoid-Sofortwirkung, Rückgang der Entzündung, Schmerzlinderung/-freiheit in > 70 % für > 12 Monate. Eine Wiederholung der Therapie ist nach 6 Monaten möglich.

Hinweis

Die Radiosynoviorthese setzt – gemäß Strahlenschutzverordnung – die Umgangsgenehmigung für die genutzten Nuklide voraus. Sie wird daher im Regelfall in nuklearmedizinischen Kliniken und Praxen durchgeführt.

Links

Weiterführende Informationen der DGN (Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.).

Nuklidübersicht

Nuklid Phys. Halbwertszeit Max. Reichweite Mittl. Reichweite
Yttrium-90 (Y-90) 2,7 d 11,0 mm 3,6 mm
Rhenium-186 (Re-186) 3,7 d 3,6 mm 1,2 mm
Erbium-169 (Er-169) 9,4 d 1,0 mm 0,3 mm